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Outskirts
2006-Ongoing
Urban developments, expanding onto Cairo

Review DE
Outskirts (ongoing)

Von Bausteinen und Versprechen. Ein Entwurf.
Ahmed Kamels Fotografien von im Bau befindlichen Randbezirken der Millionen-Metropole Kairo sind menschenleer, meist nachts im diffusen Licht der vorhandenen Straßenbeleuchtung oder in der Dämmerung aufgenommen.

Manche der Bilder sind unheimlich.

Nur eine Straßenleuchte dient als Lichtquelle. Rohe Fassaden sind durchsetzt mit dunklen, rechteckigen Hohlräumen da wo sonst erleuchtete Fenster Leben vermuten ließen. Ein überproportional großer Strommast wächst in den schwarzen Himmel bis über den Bildrand hinaus.

Manche der Bilder sind komisch.

Palmen und Sträucher – oder was von ihnen noch übrig ist – stehen in Reih und Glied schon einmal da, wo nur ein Haufen aufgetürmten Sandes darauf verweist, dass auch hier Behausungen entstehen sollen.

In gleissendes Licht getauchte, scheinbar willkürlich gestreute, sich farblich kaum abzeichnende Rohbauten tummeln sich inmitten des Wüstensandes – Bauklötzern gleich, von Kindern im Sandkasten zurückgelassen oder von einem Architekten modellhaft skizziert.

Hier geht es um Entwürfe.

Und eine Werbetafel auf einem der Bilder zeigt, wie der dahinterliegende Rohbau einmal aussehen wird.

Hoch wird er sein und auch die Palme wird nicht fehlen.

Gerade und hochgewachsen soll sie bis über die vierte Etage ragen – Wachstum verheissend.

Und jetzt wird deutlicher, worum es hier auch gehen könnte.

All diese seriellen Bausteine, diese Stückchen Grünes und Teer inmitten von Sand sehen irgendwie unwirklich aus.

Sie könnten auch schlicht Kulisse sein.

Für einen Film über die Auswirkungen von Korruption, Inflation und der damit verbundenen Verarmung und Ohnmacht?
Oder für einen Film über die Sehnsucht, dass sich Verheissung, Versprechen und Träume doch einlösen könnten?
In ihrem rohen, unfertigen Zustand bleiben all diese Areale jedenfalls vor allem eines:
Projektions-Flächen.
Und damit knüpft diese Arbeit direkt an andere fotografische Langzeitprojekte an:
Seien es Kamels Strassenszenen, seine Details in privaten Wohnräumen, seine Familienportraits oder die umfassende Untersuchung des Hochzeitsrituals in Ober-, Mittel- und Unterschicht.
In all diesen Arbeiten setzt sich Kamel auch mit dem scheinbar unerschöpflichen Raum für Projektionen (und ihrer Vermarktung) auseinander.
Eva Bertram
Dozentin an der Neuen Schule für Fotografie, Berlin
Berlin 08.08.08
 
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  © Ahmed Kamel